Der aka auf Besuch beim Bundeskongress für Kommunale Kinos in Frankfurt


Vom 17.-19. Juni 2022 veranstaltete der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) seinen 17. Bundeskongress im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt am Main. Als Filmclub sieht sich der aka ebenfalls im Bund Kommunaler Kinos repräsentiert, nicht zuletzt mit seinem Anliegen, Kinokultur jenseits des kommerziellen Mainstreams anzubieten. Ein Anliegen, das nicht selten in Konflikt mit einer kommerziell breit aufgestellten Filmwirtschaft steht und der bis heute oft mangelhaften Förderung Kommunaler Kinos aus öffentlicher Hand. Dieses Grundproblem blieb auch stetes Thema des Bundeskongresses, der auch mit seinem Blick auf die Visionen Kommunaler Filmarbeit gerade nach der Coronazeit kritisch Bilanz ziehen musste.

Vorweg aber: Die Kommunalen Kinos, diese Orte aktueller, unabhängiger Filmkunst, großzügiger Retrospektiven und Treffpunkte Kinoschaffender gibt es auch nach Corona noch, auch wenn sie an der aktuell andauernden Kinoflaute leiden. Ein grundlegenderes Problem liegt in der fehlenden Anerkennung des Films als gleichwertiges Medium neben Kunst, Theater oder Oper – alles Bereiche, die wie die Kommunalen Kinos auf öffentliche Gelder angewiesen sind, jedoch weit stärker subventioniert werden. Liegt das wirklich am blöden, uralten Klischee, Film sei eben Unterhaltungskunst und habe sich selbst zu finanzieren? Womöglich. Der Frust um die fehlende Anerkennung Kommunaler Filmarbeit und damit unabhängiger, anspruchsvoller Filmkunst war auf dem Kongress zu spüren. Fett stand bei einem Vortrag das Zitat des Filmwissenschaftlers Lars Hendrik Gass auf der Power-Point: „Dass in diesem Land nicht in jeder Großstadt eine Kinemathek auf dem Niveau der modernen Kunst spielt, sagt etwas über Kunstverständnis und Machtverhältnisse gleichermaßen aus.“ („Da kann einem das Staunen vergehen“. FAZ, 25.10.2020)

Als kritisch aber auch als produktiv verstand sich der Kongress, der über Podiengespräche und Workhops vielfältig diskutierte, wie bestehende Strukturen durch innovative Herangehensweisen gestärkt und zukunftsfähig gemacht werden können. Auch die Generationsfrage war wichtig: Wie lässt sich die mediale und kulturelle Praxis „Kino“ für kommende Generationen erhalten? Leitend bis heute ist die Utopie Hilmar Hoffmanns, dem Gründer des ersten Kommunalen Kinos in Frankfurt am Main 1972. Der Bundeskongress feierte dieses Jahr nicht zufällig das 50. Jubiläum des Frankfurter Urteils, mit dem Hoffmann die Gleichstellung von Kommunalen Kinos mit anderen öffentlichen Kultureinrichtungen erreichte.

Auch die Kinomacher*innen auf dem Bundeskongress brachten Utopien: Mehr Filmproduktionen der letzten Jahre spielen, mehr Live-Musik, Performances, Interaktives, synchronisierte Filme als niedrigschwelligere Filmangebote, mehr bezahlte Mitarbeiter*innen und natürlich mehr Kommunale Kinos, idealerweise eines pro Landkreis. Das waren natürlich Visionen, vor der Hypothese entwickelt, man hätte das nötige Geld zur Hand, aber eben auch viele inspirierende Ideen. Plastisch war auch die Vorstellung neuer, auch junger Kinoprojekte als „Verwirklichung der Kinoutopie“, etwa die des Zentrums Audiovisueller Kulturen in Hamburg.

Fabian vom aka-Filmclub hat es auf dem Kongress im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum gefallen. Die Räumlichkeiten waren nicht nur in Bezug auf das Jubiläum des Frankfurter Urteils gut gewählt. Im prächtigen wie stilvoll gestalteten Kinosaal konnten während des Kongresses ausgewählte Filme mit Bezug auf die Frankfurter Filminstitution gezeigt werden. Schließlich trafen sich die Kinobetreibenden auch als Kinobegeisterte. Schade nur, dass von den vielen Filmclubs und Filminitiativen in Deutschland nur wenige anwesend waren, darunter etwa das ambitionierte Frankfurter Studentenkino Pupille, das am Ende selbst noch einen Film zeigen konnte und hinter den Kulissen aktiv mitwirkte.

Das Programm: https://daten.kommunale-kinos.de/buko2022webflyer.pdf
Credits Beitragsbild: BkF/Johannes Litschel



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