Righteous Kill – Kurzer Prozess


Righteous Kill

(USA 2008, 101 min, 35mm, Scope)

 

Das Jahr 2009 beginnt mit der wohl coolsten Leinwand-Hochzeit des neuen Kinojahres: Al Pacino und Robert de Niro stehen endlich wieder für einen gemeinsamen Film vor der Kamera. Der Titel „Righteous Kill“ [Regie Jon Avnet („Grüne Tomaten“)] wirft gleich zu Anfang Fragen auf, denn die semantische Wortbedeutung von „righteous“ bzw. „gerecht“ kann immer subjektiv ausgelegt werden. Im Film wird einmal gesagt: “There’s nothing wrong with a little shooting, as long as the right people are getting shot.” Was bedeutet also gerecht? Wer entscheidet, wer die richtigen Leute sind? Welche Konsequenzen hat es, wenn sich jemand die Freiheit herausnimmt, nach seiner Art gerecht zu handeln?

Die beiden NYPD-Urgesteine und seit vielen Jahren Partner David Fisk aka Rooster (Al Pacino) und Thomas Cowan aka Turk (Robert de Niro) ermitteln in einem Serienmörderfall. Der Killer tötet Sexualstraftäter und weitere Kriminelle, deren Verbrechen bestimmte moralische und gesellschaftlich fest verankerten Grenzen überschreiten. Neben jedem Toten liegt ein kleiner Zettel mit einem kurzen Gedicht, das den Mord rechtfertigen soll. Einer dieser Morde des Serientäters weist Verbindungen zu einem Fall auf, der bereits Jahre zurückliegt und längst abgeschlossen schien. Unterstützt werden Rooster und Turk durch das junge Team Simon Perez (John Leguizamo) und Ted Riley (Donnie Wahlberg) und vor allem durch Tatortermittlerin Karen Corelli (Carla Gugino). Reibereien zwischen den Polizeigenerationen bleiben nicht aus, besonders als immer deutlicher wird, dass der Täter selbst ein Polizist sein könnte.

Al Pacino stand in seiner Filmkarriere bereits häufig als Mitglied der “Retter in der Not” vor der Kamera, so als Ltd. Vincent Hanna in „Heat“, Det. Will Dormer in „Insomnia“, Detective Frank Keller in „Sea of Love“. Robert de Niro hatte ebenfalls Erfahrung auf Seiten der Gesetzeshüter so als Ltd. Moe Tilden in „Cop Land“. Die Erwartungen eines Zusammenspiels der beiden Charakterköpfe waren also hoch. Und getragen wird der Film auch eindeutig von Pacino und de Niro.

Sowohl Avnet als auch Pacino und de Niro wurden in den 1940ern in New York geboren. Diese Gemeinsamkeit und die Vorstellung, dass es sich um eine spannende und düstere Stadt handelt, die ihre Bewohner prägt und die Tatsache, dass der Zuschauer es mit einem Polizeithriller zu tun hat, lassen Letzteren denn vielleicht auch hoffen, Ähnlichkeiten zum Film Noir entdecken zu dürfen. Man denke an eine korrupte Polizei, an eine Großstadt, die Hexenkessel ist und an Menschen, die ihre eigenen Gesetze und Vorstellungen von Gerechtigkeit haben. Man denke aber auch an eine Noir-Tradition Michael Manns in seinem Film „Heat“, in dem Pacino und de Niro vor mehr als zehn Jahren ein Katz-und-Maus-Spiel spielten.

Von einem Thriller erwartet der Zuschauer Spannung bis zur letzten Minute. Denn das, was einen Film zum Thriller macht, ist die Tatsache, dass der Zuschauer immer auf dem gleichen Wissenslevel steht, wie die Protagonisten selbst. Das bedeutet, dass wir die Perspektive der Hauptdarsteller mit einnehmen. Wir erleben und rätseln mit und eine überraschende Wendung für die meisten ist der story nicht abzusprechen. Darüber hinaus ist Pacino und de Niro ihre Lust am Spiel und ihre gegenseitige Freundschaft deutlich anzusehen. Man genießt, entspannt und zurückgelehnt im Kinosessel, die dem jeweils anderen geltende Gestik und Mimik der beiden. Auch wenn sich der Film, nicht nur wegen der zwei Schauspieler, sondern auch wegen der Idee der story, die jedoch ein wenig mehr Ausarbeitung von Autor Russel Gewirtz bedurft hätte, und der Kamera lohnt – leider genügt das nicht ganz, um als fesselndes Werk zu überzeugen, das noch lange im Gedächtnis bleibt.

Text: Jennifer Borrmann, 02.01.2009

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